Magic Circle (3./4. Klasse)

In der zweiten, dritten und vierten Klasse führen die Klassenlehrerinnen mit den Kindern den „Magic Circle“ durch.

Während in der zweiten Klasse zunächst eine Hinführung zu dem Gesprächskreis über die Einführung eines wöchentlichen Klassenrates, der sich mit konkreten Problemen der Klasse auseinandersetzt, und erste Ansätze Themen gebundener Gespräche  stattfinden, setzen sich die Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen gezielt mit den Themen des Circles, die nach Jahrgangsstufen unterschiedlich anspruchsvoll sind, auseinander.

Themenbeispiele:

  • Ich hatte einmal einen schönen Gedanken.
  • Ich habe etwas getan, worauf ich stolz war.
  • Was ich empfinde, wenn ich gewinne und wenn ich verliere.
  • Jemand hat etwas gemacht, was ich nicht mochte.
  • Ich habe etwas versprochen und es eingehalten.
  • Wie jemand meine Gefühle verletzt hat.

Innerhalb dieses Circles kommt eine Kleingruppe von 10 – 14 Kindern in einem Kreis regelmäßig für 10 bis 15 Minuten zusammen und bearbeitet ein vorgegebenes Thema. Dabei sollen die Kinder in drei Bereichen gefördert werden:

  • Sie sollen befähigt werden, sich selbst und andere bewusster wahrzunehmen.
  • Sie sollen selbstbewusst werden und ein Bewusstsein ihrer persönlichen Kompetenz erreichen.
  • Sie sollen lernen, wie sie auf andere Menschen wirken, welche Gefühle sie bei sich selbst und anderen auslösen und wie sie soziale Situationen zufrieden stellend gestalten können.

Der „Magic Circle“ soll in diesem Sinne dazu beitragen, dass ein positives Miteinander aufgebaut und verletzendes, aggressives Verhalten abgebaut wird bzw. gar nicht entsteht.

Die drei Bereiche

Durch den „Magic Circle“ soll die Persönlichkeitsentwicklung in den drei folgenden Bereichen gefördert werden, die man als Gliederungselement im gesamten Leitfaden wieder findet.

„Wahrnehmung – Empfindung – Sensibilisierung“

Wahrnehmen, Empfinden und Sensibelsein sind wichtige Grundlagen des Lernens neuer Fähigkeiten und der Kommunikation. Dies umfasst im Einzelnen:

  • Offene Kanäle für Informationsaufnahme
    • die Kinder sollen lernen, für neue Erfahrungen offen zu sein
  • Unterscheidungen zwischen Ereignissen
    • bisher zusammenhängende Ereignisse sollen differenziert werden
  • Wahrnehmen und Kommunikation
    • um sich mit anderen auszutauschen, muss man aufmerksam zuhören und darauf achten, was sie wollen
  • Förderung von Akzeptanz und Toleranz
    • es sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bezug auf andere Personen gesehen und anerkannt werden

„Persönliche Kompetenz“

Das einzelne Kind soll in die Lage versetzt werden, das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und einzuschätzen, um dies auch bei anderen nutzen zu können. Dies ist ein wichtiger Schritt zur eigenen Identitätsfindung der Kinder.

  • Erweiterung von Wissen und Fähigkeiten
    • dies ist eine Grundlage schulischer Persönlichkeitsentwicklung
  • Einschätzung von Kompetenz und Fähigkeiten
    • erst wenn man sich selbst richtig einschätzt, kann man auch wirksam seine Fähigkeiten entwickeln
  • Toleranz und positive Einstellungen gegenüber Fehlern
    • wer Fehler macht und sie akzeptiert, kann seine Fähigkeiten erweitern
  • Positive Identifizierung mit den Fähigkeiten und Erfolgen anderer
    • andere helfen einem, die eigenen Fähigkeiten zu finden und sie zu entwickeln

„Soziale Kompetenz“

Unser tägliches Zusammenleben wird durch ständige Kontakte von Mensch zu Mensch geprägt. Inwieweit diese Kontakte bewusst gestaltet und gesteuert werden können, soll den Kindern in diesem Bereich stärker verdeutlicht werden.

  • Wirkung eines Verhaltens auf die Gefühle des Gegenübers
    • es ist wichtig zu verstehen, wie sich das eigene Verhalten auf   andere auswirkt und umgekehrt
  • Übernahme von Verantwortung
    • wenn man weiß, wie sich das eigene Verhalten auf andere auswirkt, sollte man auch die Folgen im Blick haben
  • Aufmerksamkeit, Akzeptanz, Befürwortung und positive Gefühle
    • diese Bereiche haben eine besondere Bedeutung für sozial angemessenes Verhalten
  • Ängste und Befürchtungen
    • wenn man weiß, dass jeder Ängste hat, ist das schon der erste Schritt zu deren Überwindung
  • Miteinbeziehen, Selbstkontrolle und Wertschätzung
    • diese Bereiche müssen in persönlichen Beziehungen im Gleichgewicht stehen
  • Enttäuschung, Frustration und Zurückweisung
    • es hilft zu erkennen, dass diese Gefühle und Reaktionsweisen notwendige Bestandteile menschlicher Beziehungen sind

„Magic Circle“ ist kein Unterricht!

Es geht nicht darum, etwas Richtiges zu sagen oder besonderes Können zu zeigen.

Es geht um Beziehungsaufnahme, das Mitteilen von Meinungen, Erlebnissen und Gefühlen.

Ich und Du stehen im Vordergrund. Das Ich erzählt dem Du und das Du lernt das Ich kennen.

In einem Fragebogen am Ende der dritten Klasse fragen wir unsere Schüler und Schülerinnen anonym nach ihrer Meinung zum „Magic Circle“ in ihrer Klasse.

Hier ein paar Äußerungen des letzten 3. Jahrgangs:

  • Man kann Privates sagen.
  • Manche Menschen sind anders als man denkt.
  • Man kommt sich näher und versteht sich besser.
  • Ich kann die Wahrheit sagen.
  • Ich kann Wut loslassen.
  • Man lernt die anderen Kinder kennen.
  • Man lernt das Zuhören und sich an Regeln zu halten.
  • Man sieht, dass auch andere Fehler machen.
  • Schön war, dass ich über mich sprechen konnte.